ixel-Art-Illustration eines Detektivs im Trenchcoat und mit Sonnenbrille. Er hält ein leuchtend grünes Dokument mit der Aufschrift 'skills.md' in der Hand. Rechts daneben ist ein aufsteigender Aktienchart mit der Überschrift 'STONKS' zu sehen, sowie kleine Symbole für ein Gehirn, ein Zahnrad und eine Tastatur. Der Detektiv hat eine Sprechblase: 'SKILLS.MD: MUCH WOW, VERY AGENT.'

Agent Skills schreiben: Anleitung mit Marketing-Beispielen

Was ein Agent Skill technisch ist

Ein Agent Skill ist auf seine allereinfachste Weise einfach eine Textdatei namens SKILL.md. Nicht mehr, also nicht verrückt machen lassen, nur weil das fancy klingt. Absolut machbar für jeden. Kein Code, keine Installation, kein Tool-Abo. Eine Markdown-Datei mit einem kurzen Kopfbereich (Metadaten) und darunter die Anweisungen. KI-Agenten wie Claude oder GitHub Copilot lesen die Datei automatisch. Sie laden sie in den Kontext, sobald eine Aufgabe zum Skill passt.

Die Grundstruktur eines Skills-Ordners sieht so aus:

mein-skill/
├── SKILL.md          ← Pflicht: Anweisungen + Metadaten
├── references/       ← Optional: Zusätzliche Dokumente
└── assets/           ← Optional: Vorlagen, Beispieldateien

Der Aufbau ist immer gleich: drei Striche oben, Name und Beschreibung, drei Striche, dann die Anweisungen.

---
name: mein-skill-name
description: Was der Skill tut und wann er aktiviert werden soll.
---

# Titel des Skills

Hier stehen die Anweisungen.

Die Description ist entscheidend. Sie ist das Einzige, was der Agent zuerst sieht. Erst wenn er entscheidet, dass der Skill zur Aufgabe passt, liest er den Rest. Schreibt die Description deshalb so, dass klar ist, wann der Skill gebraucht wird, nicht nur was er tut.

Das 4-Felder-Framework: Vom Kopfwissen zum Skill

Das Problem beim Skills-Schreiben ist selten die Technik. Es ist das Explizitmachen von Wissen, das normalerweise im Kopf bleibt. Unser Framework hilft, implizites Prozesswissen in vier Schritten zu strukturieren:

Feld 1: Ziel. Was soll am Ende rauskommen? Nicht abstrakt („guter Content“), sondern konkret: Ein LinkedIn-Post mit maximal 1.300 Zeichen, der eine These aus einem Blogartikel aufgreift und mit einer Frage endet.

Feld 2: Schritte. Was ist die Reihenfolge? Nicht „schreib einen Post“, sondern: Lies den Blogartikel. Identifiziere die zentrale These. Formuliere einen Einstieg, der ohne Kontext verständlich ist. Halte dich an die Zeichenbegrenzung. Füge am Ende einen Call-to-Action ein.

Feld 3: Typische Fehler. Was geht regelmäßig schief? Das ist der Teil, den die meisten weglassen und der den größten Unterschied macht. Zum Beispiel: Der Post fasst den Artikel zusammen statt eine eigenständige Perspektive zu bieten. Oder: Der Post beginnt mit „In unserem neuesten Blogartikel…“ statt mit der These selbst.

Feld 4: Qualitätskriterien. Was unterscheidet ein gutes von einem mittelmäßigen Ergebnis? Hier gehört rein, was ihr im Team als „das funktioniert“ erkennt: Der Post muss auch ohne den Blogartikel lesbar sein. Er soll nach uns klingen, nicht nach LinkedIn-Berater. Er enthält keine Emojis im Fließtext.

Dieser Rahmen funktioniert für jede wiederkehrende Aufgabe, nicht nur für Content. Angebotsschreiben, Wettbewerbsanalysen, Kampagnen-Briefings, Seminar-Nachbereitungen.

Drei Beispiele für Marketing-Teams

Beispiel 1: LinkedIn-Post aus Blogartikel

---
name: linkedin-aus-blogartikel
description: Erstellt einen LinkedIn-Post aus einem Blogartikel.
  Verwende diesen Skill, wenn ein Blogbeitrag in einen
  LinkedIn-Post umgewandelt werden soll. Auch wenn der User
  "Social Media Post zum Artikel" oder "LinkedIn-Teaser"
  sagt.
---

# LinkedIn-Post aus Blogartikel erstellen

## Ziel
Ein eigenständig lesbarer LinkedIn-Post (max. 1.300 Zeichen),
der eine zentrale These aus dem Blogartikel aufgreift und zur
Diskussion einlädt.

## Schritte
1. Lies den verlinkten oder eingefügten Blogartikel komplett
2. Identifiziere die zentrale These (nicht die Zusammenfassung)
3. Formuliere einen Einstieg, der ohne den Artikel
   verständlich ist und neugierig macht
4. Entwickle die These in 3-4 Sätzen weiter
5. Ende mit einer konkreten Frage an die Leser
6. Füge am Ende "→ Link zum Artikel" als Platzhalter ein

## Häufige Fehler vermeiden
- NICHT den Artikel zusammenfassen. Der Post soll eine
  eigenständige Perspektive bieten.
- NICHT beginnen mit "In unserem neuesten Blogartikel..."
  oder "Wir haben gerade veröffentlicht..."
- KEINE Emojis im Fließtext. Nur als Aufzählungszeichen,
  wenn überhaupt.
- KEINE Hashtag-Blöcke am Ende. Maximal 3 Hashtags,
  in den Text integriert.

## Qualitätskriterien
- Der Post funktioniert auch für Leser, die den Artikel
  nie anklicken
- Er klingt nach einer Person mit Meinung, nicht nach
  einer Pressemitteilung
- Die Frage am Ende ist echt (nicht rhetorisch)
- Tonalität: direkt, sachlich, selbstbewusst

Beispiel 2: Newsletter-Editorial schreiben

---
name: newsletter-editorial
description: Schreibt ein Newsletter-Editorial (150-250 Wörter)
  mit persönlicher Einordnung. Verwende diesen Skill, wenn ein
  Newsletter-Text, ein Editorial oder eine persönliche
  Einleitung für einen Newsletter geschrieben werden soll.
---

# Newsletter-Editorial schreiben

## Ziel
Ein persönliches Editorial (150-250 Wörter) für den
Bi-Weekly-Newsletter. Fließtext, keine Aufzählungen.
Eigene Meinung erkennbar.

## Schritte
1. Identifiziere das Kernthema dieser Newsletter-Ausgabe
2. Finde einen persönlichen Einstieg: Seminar-Erlebnis,
   eigene Beobachtung, aktuelle Nachricht
3. Entwickle EINE Kernaussage (nicht drei Themen anreißen)
4. Formuliere eine Haltung: Was bedeutet das, warum ist
   es relevant, was denke ich darüber?
5. Schließe mit einem Gedanken, der zum Weiterlesen motiviert

## Häufige Fehler vermeiden
- NICHT wie ein Blog-Teaser schreiben ("Diese Woche haben
  wir für euch...")
- NICHT mehrere Themen anreißen. Ein Editorial = ein Gedanke.
- KEINE Bulletpoints oder Aufzählungen. Fließtext.
- NICHT neutral bleiben. Das Editorial IST die Meinung.

## Tonalität
- Begrüßung: "Servus" (nicht "Hallo" oder "Liebe Leser")
- Stimme: Nachdenklich-kritisch, aber konstruktiv
- Keine Bindestriche oder Gedankenstriche im Fließtext
- Verbotene Formulierungen: "In der heutigen Zeit",
  "Es ist wichtig zu beachten", "Zusammenfassend lässt
  sich sagen", "KI revolutioniert"

## Qualitätskriterien
- Würde ich den Newsletter vermissen, wenn er nicht käme?
- Klingt das nach einer echten Person oder nach einem
  KI-generierten Intro?
- Hat der Text eine Haltung, der man widersprechen könnte?

Beispiel 3: Seminar-Angebot erstellen

---
name: seminar-angebot
description: Erstellt ein individuelles Seminarangebot basierend
  auf Kundenanfrage und Vorabfragebogen. Verwende diesen Skill
  bei Angebotsanfragen für Inhouse-Seminare, Schulungen oder
  Workshops zu KI-Themen.
---

# Seminar-Angebot erstellen

## Ziel
Ein individuelles Angebot (1-2 Seiten) für ein
Inhouse-KI-Seminar, zugeschnitten auf Branche, Teamgröße
und Vorkenntnisse des anfragenden Unternehmens.

## Schritte
1. Erfasse die Eckdaten: Branche, Teamgröße, gewünschtes
   Format (halbtägig/ganztägig/zweitägig), Zeitraum
2. Frage nach Vorkenntnissen: Nutzt das Team bereits
   KI-Tools? Welche? Seit wann?
3. Identifiziere den Schmerzpunkt: Warum jetzt? Was hat die
   Anfrage ausgelöst? (EU AI Act? Wettbewerber? Teamdruck?)
4. Wähle passende Module aus der Seminar-Struktur
5. Formuliere das Angebot mit: Ausgangslage (ihre Situation),
   Unser Ansatz (was wir anders machen), Inhalte (Module),
   Investition (Preis), Nächster Schritt

## Häufige Fehler vermeiden
- NICHT ein Standardangebot mit ausgetauschtem Firmennamen
  schicken. Die Ausgangslage muss ihre Situation spiegeln.
- NICHT mit dem Preis anfangen. Erst den Wert aufbauen.
- NICHT "Schulung" schreiben wenn der Kunde "Workshop" sagt
  (und umgekehrt). Seine Sprache verwenden.
- NICHT versprechen, was wir nicht halten: "Ihr Team
  beherrscht danach KI" ist Unsinn.

## Qualitätskriterien
- Der Kunde erkennt seine eigene Situation im ersten Absatz
- Das Angebot erklärt, warum unser Ansatz anders ist
  (Kompetenz statt Tools)
- Der Preis steht im Verhältnis zum beschriebenen Wert
- Der nächste Schritt ist konkret und niedrigschwellig
  ("15 Minuten Telefonat" statt "Kontaktieren Sie uns")

Wie ihr Skills in eure Arbeit integriert: vier Stufen

Skills klingen nach Technik, aber die einfachste Stufe funktioniert ohne jede Installation. Ihr könnt heute anfangen, egal welches Tool ihr nutzt.

Stufe 1: Copy-Paste in den Chat. Ihr kopiert den Inhalt eurer SKILL.md und fügt ihn als erste Nachricht in ein neues Chatfenster ein, egal ob Claude, ChatGPT oder Gemini. „Hier sind meine Anweisungen für diese Aufgabe: [Skill-Text]. Jetzt schreib mir bitte einen LinkedIn-Post aus folgendem Artikel: [Link].“ Das ist kein offizielles Skill-Format, aber es funktioniert sofort. Ihr habt euer Prozesswissen einmal aufgeschrieben und müsst es nicht jedes Mal neu formulieren. Kopieren, einfügen, loslegen.

Stufe 2: Projektanweisungen. Claude Projects, Custom GPTs bei OpenAI oder Google Gems erlauben es, Anweisungen dauerhaft zu hinterlegen. Ihr legt ein Projekt an (zum Beispiel „Newsletter-Produktion“), fügt euren Skill-Text als Projektanweisung ein, und ab sofort gilt er für jedes Gespräch in diesem Projekt. Kein Copy-Paste mehr, der Kontext ist immer da. Das ist die Stufe, auf der die meisten Marketing-Teams den größten Hebel haben.

Stufe 3: Claude Skills als Feature. In Claude.ai könnt ihr Skills als ZIP-Datei hochladen. Der Unterschied zu Stufe 2: Claude entscheidet selbst, wann ein Skill relevant ist, und aktiviert ihn automatisch. Ihr könnt also zehn verschiedene Skills hinterlegen und müsst nicht manuell wählen. Claude erkennt am Kontext eurer Anfrage, welcher Skill passt, und lädt die Anweisungen im Hintergrund.

Stufe 4: Coding-Agenten mit Skills-Ordner. In Claude Code, Gemini CLI, GitHub Copilot oder Cursor legt ihr einen Ordner an (.claude/skills/ oder .gemini/skills/), und der Agent scannt beim Start automatisch alle verfügbaren Skills. Das ist die tiefste Integration: Der Agent hat Zugriff auf euer gesamtes dokumentiertes Prozesswissen und lädt je nach Aufgabe den passenden Skill. Diese Stufe ist relevant, wenn ihr mit Agent Coding arbeitet oder technische Workflows automatisiert.

Die gute Nachricht: Die SKILL.md-Datei ist auf jeder Stufe dieselbe. Was ihr für Stufe 1 aufschreibt, funktioniert unverändert auch in Stufe 4. Ihr investiert also nicht in ein Format, das morgen veraltet ist, sondern in eine Struktur, die mitwächst.

Wo ihr bestehende Skills findet

Ihr müsst nicht alles selbst schreiben. Für Marketing gibt es bereits brauchbare Sammlungen:

Die Marketing-Skills-Sammlung von Corey Haines (github.com/coreyhaines31/marketingskills) enthält Skills für CRO, Copywriting, SEO-Audits, E-Mail-Sequenzen und mehr. Alles Open Source, alles im SKILL.md-Format.

Auf skillsmp.com findet ihr einen durchsuchbaren Marktplatz mit über hunderttausenden Skills. Filtert nach Kategorie, sortiert nach Beliebtheit. Aber: Prüft, was ihr installiert. Skills sind Anweisungen, die euer Agent befolgt. Behandelt sie wie Code von Fremden, also lesen, bevor ihr sie aktiviert.

Das offizielle Anthropic-Repository (github.com/anthropics/skills) enthält die von Anthropic selbst erstellten Skills für Dokumentenerstellung (Word, Excel, PowerPoint, PDF). Diese sind in Claude.ai bereits integriert.

Der wichtigste Schritt

Die Technik ist simpel. Eine Textdatei, ein Ordner, fertig. Die eigentliche Arbeit ist das, was davor kommt: das eigene Prozesswissen so zu durchdenken, dass es aufschreibbar wird. Feld 3 unseres Frameworks, die typischen Fehler, ist dabei fast immer der wertvollste Teil. Denn genau dort steckt das Erfahrungswissen, das kein Modell von allein mitbringt.

Fangt mit einer einzigen Aufgabe an. Einer, die ihr jede Woche macht. Schreibt sie auf. Testet sie. Verbessert sie. Skills sind lebende Dokumente, keine fertigen Produkte.

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